Googles Flugsuche bedroht online Reisevermittler wie Expedia oder Kayak in den USA
Der Suchmaschinen-Riese Google hat sein neues Produkt „Google Flight Search“ veröffentlicht, um in den 110 Milliarden US Dollar umfassenden Reisemarkt im Internet einzusteigen. Unterstützt durch die Technologie der ITA Software, die von Google im vergangenen Jahr erworben wurde, präsentiert das neue Produkt detaillierte Suchergebnisse zu Anfragen wie „SF to NYC“ an prominenter Position oben auf der Webseite.
Suchvorteile
Google begann im Dezember 2011 damit, die Ergebnisse der Flugsuche explizit über den Ergebnissen großer Reisevermittler wie Expedia, Orbits, Kayak, FareCompare und Priceline.com zu platzieren. Diese online Reiseagenturen (OTAs) sind nun alarmiert: Bisher sind 20-30% ihres Kundenverkehrs – und auch ihres Umsatzes – auf die klassische Google-Suche zurückzuführen. Durch die prominente Platzierung von Googles neuem Konkurrenzangebot ist davon auszugehen, dass der Kundenverkehr der Reisevermittler deutlich zugunsten von Flight Search zurückgehen wird. Die Unternehmen befürchten, dass Google seine marktbeherrschende Position ausnutzt, um die Reisevermittler aus dem Markt zu drängen. Ursprünglich hatte Google versprochen, durch sein neues Produkt den Kundenverkehr der Reisevermittler und Fluggesellschaften zu erhöhen.
Wettbewerbsuntersuchung
Sowohl in Europa als auch in den USA laufen kartellrechtliche Untersuchungen gegen Google in Zusammenhang mit der Platzierung eigener Produkte in den allgemeinen Ergebnisseiten der Suchmaschine. Einem Bericht der Financial Times zufolge untersucht die Europäische Kommission den Vorwurf, dass Google „Webseiten von Konkurrenten abwertet und gleichzeitig eigene Produkte bevorzugt“. In den USA haben im letzten Monat zwei Senatoren die amerikanische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) aufgerufen zu untersuchen, ob Google seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der Websuche ausnutzt. In der schriftlichen Anfrage der Senatoren Herb Kohl und Mike Lee heißt es: „Eine zentrale Frage ist, ob Google seine Marktmacht nutzt um User auf seine eigenen Produkte und Angebote zu lenken und dabei seine Wettbewerber benachteiligt.“
Undurchsichtige Abstrafungen
Die Platzierung von Suchergebnissen wird auch durch das Thema der undurchsichtigen Abstrafungen („Search Penalties“) durch Google berührt, die häufig „versehentlich“ vorgenommen werden. Die Suchmaschine stellt gegenwärtig keine Erklärungen oder Einspruchsverfahren für betroffene Webseitenbetreiber zur Verfügung. Auf der Webseite „Have I been penalized..?“ - gegründet von One News Page – sind Informationen über eine Kampagne für mehr Transparenz bei Abstrafungen durch Google verfügbar.
Von Marc Pinter-Krainer
Gründer und Geschäftsführer von „One News Page“




